Willi Wilner

Foto 1 zu Willi Wilner

„Ich möchte etwas Sinnvolles tun“

Willi Wilner ist frisch gebackener Träger der Ehrenmedaille / aktiv an unzähligen Stellen in der Stadt

Als er den Anruf des Bürgermeisters bekam, war Willi Wilner erst Mal sprachlos. „Die Ehrenmedaille? Für mich? Damit hätte ich nicht gerechnet und ich weiß auch bis heute nicht, wer mich vorgeschlagen hat“, erzählt er.

Und dann konnte er bei der Verleihung selbst auch gar nicht da sein, weil er mit einer Reisegruppe rund um Achim Brand in Indien weilte. „Da fällt uns schon was ein“, sagte der Bürgermeister. Gesagt, getan: Achim Brand und Michael Merten nahmen die Medaille kurzerhand im Koffer mit und überreichten sie dem überraschten Wilner vor Ort. „Das hat mich sehr gefreut“, so der 65-Jährige. „All das, was ich tue, tue ich im Übrigen ehrenamtlich und möchte dafür kein Geld haben.“ Daher spendete er die 500 Euro, mit denen der Preis dotiert ist, an den Verein „Ganesha interkulturell-lernen-und-lehren e.V.“.

Stadtfestlauf, Schwimmunterricht

Willi Wilner – seit 2019 im Ruhestand - ist jemand, der in den unterschiedlichsten Bereichen des Stadtlebens aktiv ist. Seit einigen Jahren organisiert er den Stadtfestlauf. „Dabei sind wir ein tolles Team und eingebunden in das Stadtfest ist der Lauf einfach eine prima Sache.“ Er hilft beim Leichtathletik-Training der U14 von Union und war bis zu seiner Schulter-OP im letzten Jahr Schwimmbegleiter an der Ostwall-Schule. „Das Schwimmen fehlt mir gerade. Vor allem fehlen mir die Kinder, die mich in der Stadt grüßen. Es ist schon toll, wenn man überall hört: Hallo Herr Wilner.“ Die Arbeit bei Union und speziell mit den Kindern mache ihm unheimlich viel Spaß, sagt der Lüdinghauser. Und da er selbst früher Läufer und Triathlet war, lag es natürlich nahe, in dem Bereich aktiv zu sein.

Dali-Klick im Antoniushaus

Eine Herzensangelegenheit für Willi Wilner ist seine Arbeit im Antoniushaus. Hier lebte seine Mutter bis zu ihrem Tod. „Nachdem sie verstorben war, brauchte ich erst ein bisschen Zeit, bis ich wieder ins Antoniushaus gehen konnte“, erzählt er. „2016 war es dann so weit.“ Erst arbeitete Wilner an der Pforte und zeigte den Schwestern auch schon mal, wie ein Computerprogramm funktioniert. Eigentlich wollte er aber lieber mit den Bewohnern arbeiten. Und so bietet er nun seit fast zehn Jahren ein Mal in der Woche „Dalli Klick“ an. „Blumen, Tiere, Reise um die Welt: Ich habe Bilderrätsel zu verschiedenen Themen zusammengestellt und die Bewohner raten sehr gerne mit.“ Eine große Ehre war es für ihn, als er in den Bewohnerbeirat gewählt wurde.

Wilner ist die Mischung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit persönlich sehr wichtig. „Den Menschen im Antoniushaus gebe ich etwas mit auf ihrem letzten Weg“, beschreibt Wilner seine Arbeit hier. „Und die Menschen wachsen mir natürlich ans Herz. Es tut jedes Mal weh, wenn jemand stirbt.“

Den Grundschülern beim Schwimmunterricht gibt er etwas mit bei ihrem Start ins Leben. „Das ist für mich ein ganz wertvoller Ausgleich.“

Ganesha

Über das Antoniushaus kam Wilner zum Verein „Ganesha interkulturell-lernen-und-lehren e.V.“, bei dem er zum einen als Kassenprüfer aktiv ist, zum anderen kümmert er sich um indische Gäste in Lüdinghausen. Er zeigt ihnen die Stadt, war schon auf dem Abendmarkt, feiert mit ihnen Silvester und hatte die indische Community sogar zu seinem Geburtstag eingeladen. „Das war ein multikulturelles Fest“, erzählt Wilner. „Die Verbindung ist intensiv.“ Im Januar war er mit einer Reisegruppe rund um Antoniushaus-Leiter Achim Brand in Indien. Neben einer Rundreise durchs Land besuchte die Gruppe auch das German intercultural Language Institute in Kerala, mit dem der Verein zusammenarbeitet und über den Mitarbeiter aus Indien ins Antoniushaus kommen. „Ich habe die Reise mit meiner Frau gemacht und wir haben viele tolle Eindrücke mit nach Hause genommen.

Freunde aus Ägypten

Auch für die Tafel ist Wilner aktiv. Diese hatte er kennengelernt, als er und seine Frau im Jahr 2022 eine ukrainische Familie bei sich aufgenommen hatten. Seither ist er mittwochs von 12 bis 18 Uhr, hilft bei der Essensausgabe und dem Auffüllen der Regale. „Dabei ist mir der Kundenkontakt total wichtig“, sagt Wilner. Bei der Tafel lernte Wilner eine siebenköpfige Familie aus Ägypten kennen, die mittlerweile Freunde geworden sind. Den Eltern hilft er bei Anträgen, Behördengängen und Arztbesuchen und vermittelte ihnen Arbeit im Antoniushaus. „Das ist für mich kein Ehrenamt mehr, sondern ein Freundschaftsdienst“, sagt Willi Wilner.

Warum er all das macht? „Ich möchte nicht nur zu Hause sein, sondern etwas Sinnvolles tun. Außerdem liegen mir Lüdinghausen und damit auch die Menschen hier sehr am Herzen. Ich möchte etwas zurückgeben.“ Nadine Wenge